Auf Ebene der Gesamtbevölkerung bewegt sich zwischen 2024 und 2026 nur wenig. Die 15- bis 29-Jährigen dagegen verändern ihre Haltung zu Künstlicher Intelligenz grundlegend: Aus einer Vorschussbegeisterung ist ein abwägendes, in Teilen skeptisches Urteil geworden.
Auf Gesamtebene bewegt sich wenig
In der Gesamtbevölkerung bleibt die persönliche Erwartungshaltung sowie die Einschätzung von Chancen und Risiken seit 2022 unverändert: 23 Prozent erwarten überwiegend positive Auswirkungen von KI auf sich selbst – das ist exakt der Wert von 2024. Auch jene, die negative Auswirkungen für sich selbst erwarten, bleiben stabil bei etwa einem Fünftel.
Beim Blick auf die Auswirkungen der KI auf die Gesellschaft verdichtet sich der negative Rand etwas: Der Anteil jener, die negative Auswirkungen erwarten, wächst von 38 auf 44 Prozent.
Die eigentliche Bewegung findet bei den Jungen statt
Bei den 15- bis 29-Jährigen hingegen geht der Optimismus in beiden Dimensionen deutlich zurück. Für die eigene Person erwarteten 2024 noch 47 Prozent überwiegend positive Auswirkungen durch KI, 2026 sind es nur mehr 31 Prozent. Spiegelbildlich steigt der Anteil der Personen mit negativen Erwartungen von 12 auf 26 Prozent. Fragt man nach den Auswirkungen der KI auf die Gesellschaft, ist der Rückgang noch ausgeprägter: Positive Auswirkungen der KI erwarten nur noch 14 Prozent statt zuvor 33 Prozent, negative dagegen 44 Prozent (vormals 31 Prozent).
Entscheidend ist neben diesen Entwicklungen auch die Konvergenz:
Nicht Ablehnung, sondern Differenzierung
Die naheliegende Lesart “Die Jungen wechseln ins Lager der KI-Gegner“ greift aber zu kurz. Was zunimmt, ist vor allem die Zahl der wahrgenommenen Problemdimensionen. Über die zehn in beiden Wellen identisch abgefragten Risiko-Items steigt die Zahl der durchschnittlichen Nennungen bei den Jungen von 3,80 auf 4,90 (+1,1), während die durchschnittliche Zahl genannter Chancen (neun identische Items) mit 2,95 praktisch unverändert bleibt (−4). Junge Menschen sehen also nicht weniger Nutzen in KI – sie sehen zusätzlich sehr viel mehr Fallstricke und Problembereiche. Die Veränderungen in der Gesamtbevölkerung gehen in dieselbe Richtung, aber in deutlich geringerem Ausmaß (Risiken +0,5, Chancen −0,2).
Gesteigerte Risiken werden bei Entscheidungen in sensiblen Bereichen, Datenschutz und Deepfakes wahrgenommen. Kein einziges Risiko ist rückläufig. Was bei den Jungen bleibt, ist der Nutzen, den sie im eigenen Alltag tatsächlich erleben. Enthusiasmus weicht Erfahrung.
Was das bedeutet
Für Kommunikation und Positionierung verschiebt sich damit die Beweislast. Ansprachen, die auf Zukunftsversprechen und Fortschrittsrhetorik setzen, treffen bei den Jungen 2026 auf ein Publikum, das diese Versprechen bereits gehört und an der eigenen Nutzung gemessen hat. Wirksam bleibt, was konkreten, überprüfbaren Nutzen belegt – und was die inzwischen breit geteilten Bedenken zu Manipulation, Datenschutz und Kontrollverlust ernst nimmt, statt sie zu übergehen.
Methodischer Hinweis
Datenbasis: INTEGRAL, Austrian Internet Monitor - AIM™
Zeitreihe, Wellen 2024 und 2026, jeweils Q1, Internetnutzer:innen (Total n ≈ 900 je Welle; 15- bis 29-Jährige n ≈ 207 je Welle). Auf Gesamtebene werden ausschließlich Veränderungen ab fünf Prozentpunkten interpretiert; kleinere Differenzen sind als unverändert ausgewiesen. Die Summenvergleiche bei Chancen und Risiken basieren auf den in beiden Wellen identisch abgefragten Items (9 Chancen, 10 Risiken); ein 2026 neu aufgenommenes Risiko-Item ist in keiner Summe enthalten. Für die 15- bis 29-Jährigen beträgt die statistische Schwankungsbreite rund ±6 Prozentpunkte; Einzelwerte sind entsprechend vorsichtig zu lesen.
Datenbasis: INTEGRAL, Austrian Internet Monitor - AIM™
Zeitreihe, Wellen 2024 und 2026, jeweils Q1, Internetnutzer:innen (Total n ≈ 900 je Welle; 15- bis 29-Jährige n ≈ 207 je Welle). Auf Gesamtebene werden ausschließlich Veränderungen ab fünf Prozentpunkten interpretiert; kleinere Differenzen sind als unverändert ausgewiesen. Die Summenvergleiche bei Chancen und Risiken basieren auf den in beiden Wellen identisch abgefragten Items (9 Chancen, 10 Risiken); ein 2026 neu aufgenommenes Risiko-Item ist in keiner Summe enthalten. Für die 15- bis 29-Jährigen beträgt die statistische Schwankungsbreite rund ±6 Prozentpunkte; Einzelwerte sind entsprechend vorsichtig zu lesen.