Künstliche Intelligenz verändert die Menschen – aber nicht alle auf dieselbe Weise

Künstliche Intelligenz wird von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung als Schlüsseltechnologie der kommenden Jahre wahrgenommen. Trotz dieser Verbreitung bleibt das Vertrauen in KI aber (noch) gering.

Was macht KI mit der Gesellschaft?

Die KI-Dynamik trifft nicht alle Menschen gleichermaßen. Unterschiedliche Lebens- und Wertewelten nehmen KI verschieden wahr, interpretieren ihre Potenziale unterschiedlich und bringen teils kontrastierende Erwartungen und Befürchtungen zum Ausdruck. Es ist deshalb erforderlich, nicht allein die Technologie zu betrachten, sondern auch die sozialen Voraussetzungen, Resonanzräume und Spannungsfelder – also wie verschiedene Milieus in der Gesellschaft auf KI reagieren, welche Chancen sie erkennen und welche Sorgen sie haben.

Künstliche Intelligenz trifft auf Alltagswelten

Was KI mit den Menschen und der Gesellschaft macht, lässt sich nicht abstrakt-technologisch beantworten, sondern nur mit Blick auf die sozialen Kontexte, in denen Menschen leben, denken und handeln.

Wie tiefgreifend Künstliche Intelligenz die Gesellschaft verändern wird, wird sich in den kommenden Jahren entscheiden. Bereits heute zeigt die Milieuforschung der INTEGRAL-SINUS-OPINION-Gruppe deutliche Unterschiede in der Wahrnehmung, Akzeptanz und Nutzung von KI – ein Hinweis darauf, dass auch diese Transformation gesellschaftlich höchst unterschiedlich verarbeitet werden wird.

Alter erklärt den Einstieg zu KI – Milieus erklären Zugang und Umgang damit

Auf den ersten Blick scheint die Entwicklung eindeutig zu sein: Junge Menschen verfügen über deutlich mehr KI-Kenntnisse als ältere Generationen. Auch die KI-Nutzung folgt zunächst diesem Muster.

Doch diese Unterschiede erklären nur einen Teil der Realität. Innerhalb der gleichen Altersgruppen zeigen sich erhebliche Unterschiede, die sich weder durch Bildung noch durch Geschlecht erklären lassen. Entscheidend ist vielmehr die soziokulturelle Wertorientierung der Menschen – ihre Werte, Lebensziele und ihre Haltung gegenüber Neuentwicklungen und Veränderung.

Das heißt konkret: Menschen nutzen KI nicht allein deshalb unterschiedlich, weil sie jung oder alt sind. Sie nutzen sie unterschiedlich, weil sie unterschiedliche Vorstellungen von Fortschritt, Sicherheit, Verantwortung, Leistung oder Selbstverwirklichung haben. Genau diese Wertemuster entscheiden darüber, ob KI als Chance, als Werkzeug, als Risiko oder als Bedrohung erlebt wird. Das Gesellschaftsmodell der Sinus-Milieus ist Ergebnis langjähriger Wertewandelforschung. Wie auf einer „Landkarte der Gesellschaft“ fassen die Sinus-Milieus Menschen mit ähnlichen Werten und einer vergleichbaren sozialen Lage zu zehn „Gruppen Gleichgesinnter“ zusammen. 

Die Sinus-Milieus erklären nicht nur, wer KI nutzt, sondern warum Menschen KI begrüßen, skeptisch betrachten oder bewusst meiden. Während das Alter vor allem die Wahrscheinlichkeit des Erstkontakts beschreibt, erklärt die Milieuzugehörigkeit die Wahrnehmung und den Umgang mit KI.

Was bringt die Zukunft? Die Sinus-Milieus® geben erste Hinweise

Klassische demografische Merkmale beschreiben zwar Unterschiede im Umgang mit KI-Tools, deren Ursachen erklären sie jedoch bedingt. Das Alter beeinflusst vor allem den Erstkontakt, die Geschwindigkeit und die Intensität der Aneignung. Bildung erklärt teilweise den Wissensstand, verliert jedoch erheblich an Erklärungskraft, sobald es um Einstellungen, Sorgen oder Optimismus geht.

Besonders deutlich wird dies bei der Angst vor Arbeitsplatzverlust, die sich nahezu unabhängig vom Bildungsniveau zeigt; ein Novum, da bisher Bildung ein Garant für Arbeitsplatzsicherheit war. Die Sorge um den Arbeitsplatz ist erstmals ein Phänomen auch für die Jungen (Gen-Z). Die junge Generation wird  sich immer mehr bewusst, wie sehr KI ihre Beschäftigungschancen und damit ihre Zukunftssicherheit trotz guter Bildung gefährdet. Die geringsten Sorgen um KI-verursachten Arbeitsplatzverlust macht man sich in den sozial privilegierten Milieus. Am größten sind diese Sorgen bei den strukturell benachteiligten Milieus.

Bild: Solen Feyissa auf Pexels